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Heute war ich in einem traditionsreichen altwiener Cafe um mich zu einer Besprechung zu treffen. Ich hab’s mir angewöhnt, bei meinen Terminen reichlich vorher anzutreffen und so war noch Zeit entspannt den Gedanken freien Lauf zu lassen. Im Zuge dessen ist mir am Nebentisch ein Gespräch, von offenbar politisch Tätigen Menschen aufgefallen, bei dem es um das Thema Raucher und rauchfreie Zonen in Lokalen ging. Jetzt weiß ich, wo Politik gemacht wird! Da sollt’ ma doch glatt mehr Cafehäuser bauen. Jedenfalls handelte es sich um eine Diskussion mit differenzierten Ansichten, wobei der Argumentation sowohl der einen als auch der anderen Seite durchaus etwas abzugewinnen war. Meine persönliche Haltung zu dem Thema ist sehr gesundheitsorientiert und ich bin selbst Nichtraucher. Ich habe in so manchen Lokalen (Bar, Disco, Gasthaus) in Stockholm ein komplett rauchfreies Ambiente erlebt (weil uneingeschränktes Rauchverbot in Lokalen) und muss sagen, dass mir das sehr zugesagt hat. Das erlebt man selten, dass man theoretisch das gleiche Gewand wie am Vortag, auch noch am nächsten Tag anziehen könnte. Auch die Stockholmer haben sich nach einer kurzen Anlaufzeit von wenigen Monaten damit arrangiert und rauchen nur noch in kleinen Grüppchen vor den Lokalen. Angeblich werden die Raucher, die das gut finden dort auch immer mehr. Und das wichtigste: der Umsatzrückgang zu Beginn ist heute kein Thema mehr – es gehen noch mehr Leute aus, als vorher.

Mich hat das Thema “Angst vor Veränderung” jedenfalls daran erinnert, dass es gerade in Österreich auf großen Widerstand stößt, wenn Privilegien, die bisher außer Diskussion standen, plötzlich in Frage stehen (Frühpension, Pensionsalter, Rauchen in öffentlichen Gebäuden, etc.). Warum soll man auch was aufgeben, an das man sich so viele Jahre gewöhnt hat und das schon “immer” so war? Da kann ich nur Schmunzeln. Entwicklung bedeutet nun einmal Veränderung. Es geht immer um einen Umgang mit einer bestimmten Situation und nicht dem verurteilen Umstandes (das ja bekanntlich am Umstand auch nichts ändert).
Ich erlebe in diesem Zusammenhang immer wieder Personen, die selbst von hinderliche Angewohnheiten nur schwer Abschied nehmen können. Da wird sich mancherorts so richtig in der Opferhaltung gesuhlt und teilweise darauf hingewiesen wie gut doch die “alten Zeiten” im Vergleich zu heute waren und wie schwer und mühsam heutzutage alles ist. Vor Möglichkeiten werden regelrecht die Augen verschlossen. Wen wundert es da, wenn scheinbar keine Perspektiven in Sicht sind?
Vielleicht haben gerade wir Wiener deswegen den internationalen Ruf “die Raunzer” und “Jammerer” zu sein. Warum soll schließlich etwas anders werden (beispielweise besser), wenn man’s bisher doch gewohnt war – wenn nicht sogar lieb gewonnen hat, wie’s grad ist. Dabei wird auch aktiv darüber Hinweggesehen, dass es einiges an Veränderungsaufwand bedeutet, wenn alles so bleiben soll wie es ist ;)
Aber wie heißt’s doch so schön: “Wenn jeder vor seiner eigenen Türe kehrt, steht einer sauberen Welt nichts mehr im Wege.”

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