Wir neigen beim Denken vielfach zu Abkürzungen und Verzerrungen, die nicht immer hilfreich sind, sondern sogar einen Problemzustand stabilisieren oder gar verschlimmern können. Solche kognitive Verzerrungen sind an unserer Ausdrucksweise erkennbar. Im Anschluss gibts eine kurze Auflistung der verbreitetsten Denkfehler mit Beispiel. Ich wünsche viele Aha-Erlebnisse beim Lesen
Schwarz oder Weiß
Beim Schwarz-oder-Weiß oder auch Alles-oder-Nichts Denken wird dazu geneigt (ja das Passiv ist was Schönes), ausschließlich in zwei Kategorien zu denken. Beispiel: “Wenn ich dies und jenes nicht erreiche, bin ich ein Versager”.
Wahrsagerei
Beim Wahrsagen oder auch Katastrophieren werden negative Voraussagen getätigt, ohne andere (wahrscheinlichere) Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. Beispiel: “Vor lauter Nervosität werde ich kein Wort hervorbringen.”
Ausschließen oder Abwerten von Positivem
Hier wird unvernünftigerweise davon ausgegangen, dass bisherige positive Erfahrungen für eine spezielle Situation nicht zählen. Beispiel: “Nur weil ich diese eine Arbeit erfolgreich erledigen konnte, heißt das noch lange nicht, dass ich eine qualifizierte Arbeitskraft bin.”
Gefühl als ultimativer Beweis
Dabei denkt man, dass etwas wahr sein muss, weil da so ein sicheres Gefühl vorhanden ist, dass es anders (scheinbar) gar nicht sein kann. Dabei besteht die Gefahr, dass Gegenbeweise ausgeblendet oder abgewertet werden. Beispiel: “Auch wenn ich meine Arbeit zufriedenstellend erledige, fühle ich mich wie ein totaler Versager.”
Etikettenschwindel
Hierbei haftet man sich selbst oder anderen ein gedankliches Etikett an. Dabei werden Hinweise, die zu einer weniger radikalen Beurteilung führen würden, ausgeblendet. Beispiel: “Ich bin ein Verlierer. Mein Kollege ist ein Taugenichts.”
Vergrößerung und Verkleinerung
Negative Aspekte werden übergebührlich vergrößert. Positive Aspekte werden übergebührlich verkleinert. Beispiel: “Gute Noten beweisen nicht, dass ich mich im Arbeitsleben behaupten werde können.”
Mentale Filter
Beim mentalen Filter wird selektiv Verallgemeinert. Anstatt eine Situation in ihrer Gesamtheit zu beurteilen, wird negativen Details übergebührlich viel Aufmerksamkeit geschenkt. Beispiel: “Im letzten Feedback war eine negative Bewertung dabei. Das bedeutet, dass ich meine Arbeit schlecht mache.”
Gedankenlesen
Hier wird geglaubt, zu wissen, wie der andere von einem denkt. Andere Möglichkeiten werden von vorne herein nicht in Betracht gezogen. Beispiel: “Mein Chef denkt, dass ich keine Ahnung habe, wie ich dieses Projekt leiten werde.”
Übergeneralisieren
Hierbei wird eine radikale negative Schlussfolgerung gezogen, die stark überzeichnet ist und weit über die vorliegende Situation hinausgeht. Beispiel: “Ich habe kein Talent dafür mit meinen Kollegen gut aus zu kommen.”
Personalisierung
Aufgrund des “negativen” Verhaltens anderer, zieht man den Schluss, dass dieses Verhalten der anderen an einem selber liegt. Plausiblere Erklärungen für das besagte Verhalten werden nicht in Betracht gezogen. Beispiel: “Der Chef hatte keine Zeit für mich, weil ich irgendetwas falsch gemacht habe.”
Sollte und Müsste
Hier existiert eine genaue Vorstellung davon, wie sich andere oder man sich selbst verhalten sollten. Dabei wird überschätzt, wie schlimm es ist, wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden. Beispiel: “Die anderen sollten mehr Verantwortung zeigen.”
Der Tunnelblick
Hierbei werden einzig die negativen Aspekte einer Situation wahrgenommen. Beispiel: “Mein Kollege kann nichts richtig machen. Immer wieder kann ich alles ausbügeln.”

Dass wir vieles als negativ beurteilen, liegt hauptsächlich an unserem Reptilienhirn. Wir sind noch immer konditioniert, dass wir erst die Gefahr sehen.
Die Erfahrung hat den Menschen gelehrt, tot kannst Du nur einmal im Leben sein. Freude jedoch kannst Du wiederholen.
Unser Gehirn braucht noch etwas Training, um zu vergessen, dass es keinen Säbelzahtieger mehr gibt.
Doch der böse Blick eines anderen Menschen löst immer noch die gleichen Botenstoffe im Gehirn aus.
Es gibt viel zu trainieren.
Direkt das erste trifft auf mich zu, ich neige beim denken oft zu extremen, das ist meist sehr schädigend für mich selbst. Ich konnte es mittlerweile zwar schon reduzieren und reflektiere meinen Gedankengang, wenn es mir auffällt, dass ich wieder in schwarz/weiß denke, doch nicht immer fällt es mir auf.
Finde die Auflistung sehr gut, sollte sich jeder mal durchgelesen haben!!
Danke für Dein positives Feedback, Chris! Für jede Weiterempfehlung bin ich sehr dankbar!
Es ist übrigens sehr hilfreich wenn man in sich folgende geistige Haltung etabliert: “Ich weiß genau wie der Hase läuft. Aber es könnte auch alles gaaaanz anders sein…!” Diese Haltung hilft mir auch in meiner Beratertätigkeit sehr.