Was trägt dazu bei, dass in unserer scheinbar so aufgeklärten Gesellschaft, trotz teils deutlicher Fortschritte, noch immer Frauen im Job gegenüber den Männern benachteiligt. Was macht es aus, dass es noch immer wenige, wenn auch erfreulicher Weise zunehmends mehr, Frauen in Führungspositionen schaffen?
Ich habe gestern im Radio einen für mich interessanten Beitrag gehört. Da wurden Frauen von einer weiblichen Person interviewt, mit der Frage: “Was können wir Frauen besser, als die Männer?”. Das deutlich implizierende “was” hat mich dabei weniger amüsiert, als die Antworten, die zu hören waren. Mein persönlicher Favorit:
“Die Wissenschaft hat ja bekanntlich bewiesen, dass Frauen mit beiden Gehirnhälften denken und damit mehrere Sachen gleichzeitig machen können – und Männer nur mit einer.”
Unabhängig davon, wie ernst diese Antwort nun war, habe ich mir die Fragen vom Beginn dieses Artikels gestellt. Und ich habe für mich einen Hinweis gefunden. Aber zuvor noch eine wichtige und grundlegende Information: Trotzdem vielfach die Gehirnforschung als letzte Instanz herangezogen wird, um Unterschiede zwischen Mann und Frau zu bekräftigen, gilt zu beachten, dass in diesem Bereich bislang kein Beweis für das typisch weibliche oder männliche “Sein” gefunden wurde.
Was uns im Alltag gleichsam hilfreich wie hinderlich sein kann, sind unsere Vorurteile. Auf Basis von Vorurteilen, können wir schnell Entscheide treffen u.a. so banale wie: “durch Türen kann man hindurchgehen”. In unserer informationsüberfluteten Welt brauchen wir Vereinfachungen, Abkürzungen und Faustregeln, um uns schnell zurechtfinden zu können. Dazu haben wir die Fähigkeit, Dinge anhand weniger Schlüsselmerkmale einzuordnen. Wir reagieren dann bei vorhanden sein bestimmter Auslösemerkmale ohne nach zu denken.
“Männer sind so und so…”, “Frauen sind so und so…” sind gleichsam Vorurteile, die sich schon sehr früh bei uns ausbilden und durch das individuelle Wahrnehmen der Regeln unserer Kultur vielfach bestätigt werden. Wir machen es uns für uns wahr, dass Frauen so und Männer so sind. Dieses (Pseudo-)Wissen, wie der jeweils andere ist, ist Fluch und Segen zugleich: Für uns wird der andere erklärbar und unsere Wahrnehmung reagiert dann unterstützend, mit Weglassen wiedersprüchlicher Information. Auf unsere Wahrnehmungen reagieren wir mit Gedanken, Emotionen und Verhalten. Und plötzlich ist es für beide Seiten klar: Frauen sind so und Männer so…
Dieser Artikel mag zwar keine vollständige Antwort darauf sein, warum Frauen für gleichartige Leistung noch immer Benachteiligungen erfahren. Ich persönlich halte den Beitrag unserer Vorannahmen und Vorurteile in jedem Fall für bedeutend. Hier halte ich’s wie der stoische Philosoph Epiktet:
“Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Meinungen, die wir von den Dingen haben.”
Liebe Grüße und ein spannendes Hinterfragen der persönlichen Vorurteile!
Weiterführende Artikel zu Gehirnforschung und Unterschied zwischen Mann und Frau:
Welt.de: Hirnforschung – der feine Unterschied
Spiegel Online:Hirnforschung: Typisch Frau? Von wegen!

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