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Wer bei Google den Begriff Hypnose eingibt, erhält eine Unmenge an Ergebnissen.
Ich werde in letzter Zeit wieder öfter auf das Thema Hypnose angesprochen und werde im folgenden Artikel versuchen, ein paar Missverständnisse in Bezug auf Hypnose (aus meiner heutigen Sicht) ein Stück weit aufzuklären.

Was Hypnose grundsätzlich ist…
Hypnose ist grundsätzlich eine Methode zur gezielten Aufmerksamkeitsfokussierung.
Bei der klassischen Hypnose wird die Aufmerksamkeit durch Anleitung des Hypnotiseurs nach Innen gerichtet. Ziel ist das Erreichen eines veränderten Bewusstseinszustandes (genaugenommen eines Entspannungszustands), der Trance genannt wird. In diesem Zustand soll die Suggestibilität (d.h. die Bereitschaft Suggestionen zu erhalten) erhöht sein, damit Botschaften vom Hypnotiseur besser aufgenommen werden können. Als Grundmodell dient die Annahme, dass Botschaften direkter ans Unterbewusstsein übermittelt werden können, wenn die Kritikfähigkeit des Hypnotisanden herabgesetzt ist.

Kritische Anmerkung #1: Der Wissende – es kann nur einen geben.
Was mir persönlich dabei nicht gefällt, ist die Tatsache, dass der Hypnotiseur dabei als der Wissende dasteht – da er (scheinbar) weiß, welche Suggestion für den Klienten “gut” ist. Das ist meinem systemischen Grundverständnis nach ein Irrtum. Der Wissende (um die Konstruktionen seiner persönlichen Wirklichkeit) kann einzig der Klient sein und niemand anderer. Ein bedeutungsschwangeres “Sie werden frei sein vom Drang Zigarretten zu rauchen…” alleine bewirkt meist nicht viel oder hält dann nicht lang.

Anwendungsbereiche von Hypnose
Hypnose wird erfolgreich im psychotherapeutischen oder medizinischen Bereich eingesetzt. In letzterem z.B. im Bereich der Schmerztherapie. Da bei Hypnose mit inneren Bildern gearbeitet wird, sind Mentaltraining, Autogenes Training und Abwandlungen davon, durchaus auch dem Bereich der Hypnose zuzuordnen – jedoch oft mit anderem Ziel und Fokus.

“Aufdeckende Hypnose”
Die sogenannte aufdeckende Hypnose ist ein Verfahren, welches verschiedene psychotherapeutische Schulen vermischt. Eine wesentliche Grundannahme der aufdeckenden Hypnose ist, dass für ein bestehendes Problem, die ursprünglichste Ursache gefunden werden muss, um dieses Problem aufzulösen. Gearbeitet wird dabei rückführungsartig, d.h. mit klarem (Bearbeitungs-)Fokus in der Vergangenheit und anschließend auch in der Zukunft. Im Zuge der Vergangenheitsfokussierung wird angestrebt körperliche Reaktionen zu provozieren (Symptome) und diese dann strategisch aufzulösen, sodass der Körper nicht mehr “negativ” reagiert. Das ist auch die Art der Hypnose, die ich im Jahr 2005 in der Schweiz gelernt habe.

Kritische Anmerkung #2: Ein Problem braucht eine Lösung statt eine Ursache.
Manche Berater, Coaches und Therapeuten halten daran fest, man müsse erst die Ursache für ein Problem oder das Problem selbst ergründen und bearbeiten, um zu einer Problemlösung zu kommen. Manche meinen auch, es wäre notwendig, das Problem möglichst allumfassend zu verstehen, bevor es zu einer Lösung kommen kann. Diese Annahmen sind aus aktueller hypnosystemischer Sicht längst überholt. Die Annahme, man müsse als negativ erlebte Gefühlszustände wiedererleben und ausleben, stammt aus dem tiefenpsychologischen Ansatz – Freud nannte dies eine “Verklemmung von Emotionen”. Und genau diese Verklemmung müsse gelöst werden. Tatsächlich ist diese Annahme keine Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches therapeutisches Arbeiten mit unwillkürlichen Prozessen.

Kritische Anmerkung #3: Trancezustände sind alltäglich und müssen nicht tieeeef sein.
Eine Aufmerksamkeitsfokussierung auf Lösungen schafft Lösungen (Hypnosystemisch: “Lösungstrance”). Und eine Fokussierung auf Probleme… Genau! ;) Im Unterschied zur klassichen Trance ist die Lösungstrance eine sogenannte Alltags- oder Gesprächstrance mit konzentriertem Fokus auf Lösungen. Nähere Ausführungen zum Thema “Wie wird ein Problem konstruiert und bearbeitbar” und dem hypnosystemischen Ansatz, erläutere ich in einem späteren Beitrag. Zum erfolgreichen Arbeiten im Zuge einer Beratung und auch einer Therapie braucht es die oben angesprochenen tiefen Trancen nicht. Ein entspanntes Gespräch reicht durchaus ;)

Hypnose als Schnellverfahren?
Und jetzt könnte es sein, dass jemand meint, wenn man direkt mit dem Unbewussten (Begriff nach Freud) kommuniziert, kommt man schneller zum Ziel. Dazu ist anzumerken, dass grundsätzlich niemals nur mit einem bewusstseinsanteil kommuniziert wird (so es diese überhaupt gibt), sondern immer mit dem “ganzen” Menschen. Und bei “schneller” drängt sich die Frage nach dem “als was” auf. Als klassische tiefenpsychologische Therapie mit ihren etwa 400 Therapieeinheiten? Oder den unterschiedlichen Kurzzeittherapieansätzen, die mit größenordnungsmäßig bis etwa 10 Einheiten auskommen?

Fazit
Hypnose ist weder gut noch schlecht – sie IST. Und zwar genauso wie andere Methoden. Hypnose ist ein durchaus erfolgreich eingesetztes Mittel in unterschiedlichen Bereichen. Sie gehört in den Dunstkreis der Psychotherapie, wo man annimmt, dass die Therapeuten wissen, was sie tun und wie sie mit Ihrem Gegenüber umzugehen haben. Ob Hypnose Mittel der Wahl ist, hängt durchaus auch vom Klienten und seinem persönlichen Zugang ab. Dieser kann gesprächsorientiert, kognitiv, körperorientiert oder auch imaginativ (z.B.) Hypnose sein. Hypnose ist kein Allheilmittel sondern lediglich ein möglicher Zugang in die Erlebniswelt eines Klienten.

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4 Kommentare zu “Missverständnisse – Hypnose in Therapie und Beratung”

  1. NLP Coach sagt:

    Wenn man Hypnose als ein Verfahren sieht, dass die Aufmerksamkeit auf einen Inhalt fokusiert, um natürliche Phänomene hervorzuholen, wie das Vergessen von Informationen oder ihr Erinnern, dann ist kalr, das Hypnose etwas ganz alltägliches ist.

  2. Harald sagt:

    @NLP Coach: Danke für den ergänzenden Beitrag.

    Glücklicherweise gibt es unterschiedliche Modelle, die zur Beschreibung und Erklärung herangezogen werden können – z.B. solche, die Ursache und Wirkung als gegeben annehmen. Das ermöglicht dann andere Beschreibungsformen.

  3. Hallo Harald,
    toller Post!
    zu #2. Im Problem liegt die Lösung. Da braucht man nicht mehr zu suchen, weil es ja bereits auftritt.
    Es geht nur noch um die Interpretation/Sichtweise.

    LG
    Norbert

  4. Harald sagt:

    @Norbert: Wenn ich Dich richtig verstanden habe, kann ich da nur zustimmen ;)
    Das Beschreiben eines Problembilds ist eine wertzuschätzende Form der Unterschiedsbildung. Das impliziert, dass der Beschreibende (der Klient) auch ein Lösungsbild “in sich trägt”. Dann geht’s nur mehr darum, die Lösung auch bewusst beschreibbar zu machen. Ob er’s nun wirklich “in sich trägt” oder im Zuge der Beratung frisch konstruiert ist dann weniger wesentlich. Eines gilt es nochmals zu erwähnen: Hätte er nicht in irgendeiner Form eine Ahnung einer Lösung, könnte er die Ist-Soll-Diskrepanz in Form des Problems nicht feststellen.

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