So! Jetzt haben wir’s Schwarz auf Weiß bzw. Ton-auf-CD. Der freie Wille ist Illusion. Zumindest klingt das so, wenn man sich Wolf Singers “Bindungsprobleme – Neurobiologische Überlegungen” (siehe Kasten unten rechts) zu Gemüte führt. Singer ist Direktor am Max-Planck Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und stellt mit seiner CD die aktuellen Erkenntnisse (2003) samt möglichen Schlussfolgerungen in der Gehirnforschung dar.
Kurzes Fazit: Die Kommandozentrale ist gefunden, nur einen Kapitän gibts leider nicht. Unser Gehirn ist komplett dezentral organisiert, mit einer Unzahl an parallel ablaufenden Prozessen. Dabei gibt es keine Stelle, an der alle Fäden zusammen laufen und die als “das Ich” oder “die Entscheidungsinstanz” oder wie auch immer bezeichnet werden könnte. Es reguliert und organisiert sich irgendwie von selbst. Und: es nimmt uns sogar das bewusste Wollen vorweg. Bevor wir etwa den linken Arm heben “wollen” gibts seitens des Gehirns bereits ein hochkomplexes Entscheidungsverfahren zu der später von uns als bewusst gewollt wahrgenommenen Aktion (= Arm heben). Alles Verhalten inkl. der bewussten Entscheidungen sind neuronalen Vorgängen deutlich nachgängig! Und zwar bis zu einer Sekunde! Damit der Schein auch ordentlich trügt, sorgt das Gehirn dafür dass wir das Wollen und Tun quasi gleichzeitig wahrnehmen.
Jetzt könnte man sich die Frage stellen, was es unter diesen Beobachtungen noch mit einem bewussten, freien Willen auf sich hat. Oder anders: welche Rolle nimmt unser bewusstes Denken bzgl. unseres Verhaltens und unserer Entscheidungen tatsächlich ein? Diese Entdeckungen scheinen ein Beweis dafür zu sein, dass unser Bewusstsein einzig die Rolle einer beratenden Instanz einnimmt, die auf unsere Unbewussten Vorgänge mehr oder weniger Einfluss nehmen kann. Es scheint sich unserer Sinne zu bedienen, um auf Basis von gemachten Erfahrungen ein konsistentes (?), individuelles Weltbild zu basteln, welches unserem Bewusstsein in Ausschnitten zur Verfügung gestellt wird. Das wirft einige, unsere Gesellschaft betreffende Fragen auf. Etwa die Bestrafung vorsätzlicher (?) Handlungen. Nun meinen die Neurobiologen, dass egal ob bewusst oder unbewusst, alles aus dem gleichen Topf (= organisches Gehirn) entsteht. Das kann man so hinnehmen oder auch nicht. Wenn man bedenkt dass ein Großteil der Schlussfolgerungen bewusst passiert und diese wiederrum aus unbewussten Vorgängen resultieren, dann könnte man ja auch mutmaßen, das Gehirn würde uns nur nicht verraten wollen, wie wir wirklich funktionieren ;)

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Eine Antwort auf Der freie Wille – eine Illusion?

  • Hallo Harald,
    schön dass Du es deutlich schreibst.
    Die Gehirnforschung hat es schon seit einiger Zeit bewiesen.

    Es halt besser über schlechter werdende Zeiten zu berichten und zu jammern, als wirklich wesentliche Erkenntnisse zu veröffentlichen.

    Ich denke, jeder Beitrag ist ein kleiner Schritt mit großer Wirkung in die richtige Richtung.

    LG
    Norbert

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