Könnte es auch Sinn machen, sich seinen persönlichen Herausforderungen nicht zu stellen? Ihnen vielleicht sogar bewusst auszuweichen oder sie einfach Herausforderungen sein zu lassen? Warum das durchaus Sinn machen kann und warum auch wieder nicht und was das alles mit Persönlichkeitsentwicklung zu tun hat – darum gehts im folgenden Artikel. ;)

Vielleicht seid Ihr, liebe Leser, auch schon mal Menschen begegnet, bei denen es den Anschein hat, sie hätten so eine Art alltagsbegleitendes Dauerproblem. Und zwar eines, bei dem man das Gefühl hat, dass es von der betreffenden Person als zu ihr (oder ihrem Alltag) gehörig hingenommen wird – obschon, so schwingts im Unterton, es ohne besser wäre. Die Kundgebungen äußern sich z.B., in dem es immer mal wieder Thema wird – sei’s durch sich beklagen, darüber schimpfen, zynische Äußerungen oder dergleichen. Hinzu gesellt sich oftmals eine pessimistische Haltung in Bezug auf die erwartete Eintrittswahrscheinlichkeit des Ersehnten. Mögliche Beispiele für eine Person mit so einer Art “Begleitproblem” könnten etwa sein:

  • jemand der keine Arbeit hat, arbeiten möchte und sich nicht aktiv bewirbt…
  • jemand der lieber anders wohnen würde, es sich leisten könnte, aber nichts dafür tut…
  • jemand der sich nach einem Partner sehnt und wartet statt zu suchen…
  • jemand dessen Traum es ist, ein Buch zu schreiben und es nicht in Angriff nimmt…
  • jemand der gern einen erfüllenderen Job hätte, sich aber nicht um einen neuen umsieht, etc.

Die Liste ließe sich sicher beliebig fortsetzen. Jetzt könnte man wahrscheinlich unzählige Hypothesen aufstellen, warum eine Person sich einer oder mehreren Herausforderungen nicht stellt. Von Überlegungen wann ein Wunsch nun ein Wunsch ist oder nur ein Wünschlein, über wie man richtig wünscht (oder gar beim Universum bestellt), über Glaubenssätze, bis hin zu tiefenpsychologisch orientierten Erklärungsversuchen (z.B. die Mutter hat Schuld). Viel interessanter finde ich an dieser Stelle die Frage nach dem “Wozu”. Also für welches Problem ist dieses Verhalten ein anerkennenswerter Lösungsversuch?

Ein möglicher wäre etwa folgender: Herausforderungen werden (durchaus bewusst) nicht angegangen, um sich selbst davor zu schützen, enttäuscht zu werden. Die Lösung ist effektiv – eine mögliche Enttäuschung bleibt aus. Eine weitere Auswirkungen jedoch ist, dass der als problematisch erlebte Zustand sich nicht verändert, sondern sogar stabilisiert und damit aufrecht erhalten wird. Was übrig bleibt, scheint einzig, die persönliche Beziehung zur eigenen Herausforderung neu zu definieren. Sie muss weg und darf doch da bleiben, weil sie ein Stück weit Sicherheit vermittelt. Und gleichsam begrüßt wie auch verabschiedet, wird sie z.B. durch einen resignierenden Kommentar.

Eine weitere Problematik hierbei besteht darin, dass unter diesen Voraussetzungen persönliches Wachstum und Stärkung der eigenen Selbstsicherheit keine einfache Sache ist. Zur Steigerung von Selbstsicherheit sind Erfahrungen mit Erfolg und Mißerfolg sehr wertvoll und hilfreich. Vor allem mit Mißerfolgen – weil man die Erfahrung macht, dass man sie übersteht und sogar noch viel aus ihnen (auch über sich selbst) lernen kann. Vermeidung stärkt die Selbstsicherheit nicht, sondern erhält sie lediglich am empfundenen Niveau.

Jetzt hör’ ich aber auf, sonst könnte man fast noch auf den Gedanken kommen, dass es ein möglicher Ansatz zur Persönlichkeitsentwicklung wäre, sich seinen persönlichen Herausforderungen zu stellen ;)

Kommentare sind wie immer herzlich willkommen!

Liebe Grüße!
Harald

P.s. nur um Mißverständnissen schon vorab vorzubeugen: Nicht für jeden der eines oder mehrere der obigen Beispiele für sich als Problem definiert, gilt eine oder mehrere in diesem Artikel getätigte Aussagen. Möglicherweise gilts auch für niemanden und ist nur erfunden. Ist ja auch möglich. Man weiß ja nie… Und außerdem: Die Leserin oder der Leser sind grundsätzlich von getipptem ausgenommen. Sowas gilt maximal für die anderen… :)

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Eine Antwort auf “Die Selbst(un)sicherheitsspirale” oder “Nur keine Herausforderungen!”

  • Herbert von Telefonanbieter sagt:

    Viele Leute wollen mit Sicherheit mehr aus ihrem Leben machen (in vielerlei Hinsicht), sind aber einfach nur zu faul. Stichwort: “Innerer Schweinehund”. Da stellt sich bei vielen gar nicht die Frage, ob sie was machen oder nicht. Es ist eben anstrengender, selbst aktiv zu werden, als alles schön vor sich hin plätschern zu lassen.

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