Roland Kopp-Wichmann schreibt in seinem Blog “Vorsicht: Persönlichkeitsentwicklung!” zum Thema “Warum Bildung immer mehr zur Persönlichkeitsbildung wird”. Im Artikel gehts um Thesen zu kommenden Bildungsanforderungen.

Meiner Erfahrung nach, zeichnet sich auf Seiten von Unternehmen eine interessante Entwicklung in Bezug auf Seminare und Trainings ab. Und zwar, dass für Seminare und Trainings immer weniger Zeit anberaumt wird. Bestätigt wurde mir dieser Eindruck von einem Artikel im aktuellen Managerseminare Magazin. Meines persönlichen Erachtes ist Lernen ein Prozess, der nicht beliebig abkürzbar ist. Insofern sehe ich es genauso, dass der Ausbau sozialer Kompetenzen Zeit braucht. Eine wesentliche Herausforderung persönlichkeitsentwickelnder Seminare liegt im Kompetenztransfer vom geschützten Seminarkontext in den (Berufs-)Alltag der Teilnehmer. So gesehen ist es durchaus möglich auch eintägige Trainings zu halten – dann jedoch mehrere in gewissen Zeitabständen. So lässt sich ein Prozess etablieren und genügend Rückmeldungsmöglichkeiten für die Teilnehmer schaffen. Da gibts aber durchaus auch andere Ansätze.

Zum Thema Lernen formuliert der Psychiatrieprofessor Manfred Spitzer in seinem Buch “Lernen – Gehirnforschung und die Schule des Lebens”, im Abschnitt “Langsam Können-Lernen” dazu (siehe Kasten rechts):

“Wenn wir eine Fähigkeit lernen, so können wir sie schrittchenweise immer besser. Dieses Lernen – man nennt es auch Üben – geht langsam voran [...]“

Die Anforderungen an Bildung verändern sich, so wie es auch die Bedürfnisse der Menschen tun, die in Ihren jeweiligen Umwelten zu bestehen haben. So gesehen ist alles gleich geblieben – nämlich, dass sich alles verändert und zwar mit steigendem Tempo ;) Verständlich ist das Bedürfnis mit Minimalem Zeitaufwand maximalen Kompetenzzuwachs zu generieren . Bildung hat sich zunehmends zu einem Bereich entwickelt, wo die Eigenverantwortung der sich bildenden eine wesentliche Rolle spielt. Letztlich ist es nicht der Konsum von Information allein, der positive Veränderung möglich macht. Es geht um viel mehr als nur eindimensional Wissen zu erlangen, nämlich sich in vielen Dimensionen persönlich weiter zu entwickeln.

Was können persönlichkeitsbildende Seminare, die z.B. zwei Tage dauern nun tatsächlich leisten? Meiner persönlichen Erfahrung nach bewirken Seminare zur Persönlichkeitsbildung im genannten Umfang vor allem eines: Sie lenken den Aufmerksamkeitsfokus auf Themen, die sonst möglicherweise als Nebengeräusche im Hochgeschwindigkeitsalltag untergehen und aktivieren Ressourcen und Kompetenzen, die eine wesentliche Grundlage für die weitere persönliche Entwicklung bilden.

Und wo geht Bildung in Ihrer Gesamtheit nun hin? An dieser Stelle lade ich ein, bei Roland Kopp-Wichmanns Beitrag vorbeizuschauen. Wir beide freuen uns über ergänzende Kommentare!

Liebe Grüße!
Harald

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2 Antworten auf Quo vadis – Bildung?

  • Hallo,
    danke für den Hinweis auf meinen Artikel.

    Ja, ein oder zweitägige Seminare haben ihren Sinn, wenn es um Wissensvermittlung geht. Lernstoff lässt sich in Häppchen aufteilen, vorstellen, üben, wiederholen etc. Eben wie in der Schule.

    Die Crux ist nur, dass viele berufliche Fähigkeiten kein reiner Wissensstoff sind, sondern stark in das Persönliche hineinspielen und dann reichen ein, zwei Tage nicht. Wie man Gespräche führt oder Konflikte regelt oder Menschen führt, ist eben keine reine Wissensvermittlung, sondern hängt ganz eng mit persönlichen Werten, Beziehungserfahrungen und vor allem Ängsten zusammen. Um dieses Bereich, der immer ziemlich unbewusst ist, zu erreichen und dort etwas zu klären, braucht es ein sehr vertrauensvolles Klima.

    Deswegen mache ich fast nur noch Persönlichkeitsseminare mit max. 6 Teilnehmern und brauche dafür drei Tage. Immer mehr fortschrittliche Chefs und Personaler wissen das auch, dass zumindest bei den Soft-skills Kurzseminare nichts bringen und genehmigen dann auch ein dreitägiges Seminar. Man muss es nur gut argumentieren.

  • Harald sagt:

    Die Crux ist nur, dass viele berufliche Fähigkeiten kein reiner Wissensstoff sind, sondern stark in das Persönliche hineinspielen und dann reichen ein, zwei Tage nicht.

    Sehe ich genau so. Mein Bestreben ist üblicherweise, ein z.B. zweitägiges Seminar, in einem zu vereinbarenden zeitlichen Abstand (z.B. ein Monat), durch einen Follow-Up-Tag zu ergänzen (also zu verdreitägigen). Da besteht dann die Möglichkeit der Reflexion oder um noch Offene Themen und/oder neu hinzu gekommene Fragen zu klären.

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