Verhalten kann, so hat es Kurt Lewin in seiner Feldtheorie beschrieben, in einer Gleichung ausgedrückt werden. Dieser Theorie nach ist Verhalten das Ergebnis einer Anordnung psychologischer (subjektiv erlebter) Kräfte. Im Wesentlichen wird von zwei Kategorien von Einflussfaktoren ausgegangen:

  • Die von der Person erlebte Situation
  • Die betreffende Person selbst

und diese Kategorien von Faktoren wirken auf das persönliche Verhalten.

Beispiel: Eine Person A brüllt eine Person B an, sie solle ihr Auto wegfahren. Situation: Der Wagen steht vor der Garagenausfahrt von Person A. Person: Person A ist aufgebracht, weil er vor einem Termin angespannt ist.

Nun werden Ursachen für Probleme oft verzerrt wahrgenommen. Zu der Art und Weise wie diese Verzerrungen entstehen und ablaufen, weiß die Attributionsforschung zu berichten. Eines kommt dabei jedenfalls klar raus:
Wir neigen dazu, persönliche Erfolge uns selbst als Person zu zuschreiben und persönliche Probleme unserem Umfeld (Situation, Kontext, Partner, Mitarbeiter, Politik, Gesellschaft, etc.).

Dieser Effekt fällt auch z.B. bei der Formulierung von Matchberichten von Fußballfans auf. Gewinnt die eigenen Mannschaft, wird meist von “wir” gesprochen. Verliert diese jedoch, so wird tendenziell dissoziert zu einem “die/sie”.

Hier ist anzumerken, dass die begleitenden selektiven Wahrnehmungsprozesse unwillkürlich ablaufen. Es wird nur ein kleines Wahrnehmungsspektrum zur persönlichen Wirklichkeit, ohne dass uns dies bewusst ist. Nun ist nichts per se gut oder schlecht – auch nicht die Sichtweise, die Ursache für Probleme läge beim Umfeld oder den anderen. Es gibt lediglich Auswirkungen. Eine weniger positive könnte beispielsweise etwa sein, dass die betreffende Person in der Wahrnehmung der anderen zum Ankläger wird. Eine durchaus positivere könnte sein, dass die Person durch diese unwillkürliche Maßnahme, ihr eigenes Selbstvertrauen davor schützt, beeinträchtigt zu werden. Mit der beschriebenen Haltung ist meist noch die Erwartungshaltung verbunden, dass wenn die anderen das Problem sind, sich auch die anderen zu ändern hätten. Und nachdem eine derartige Haltung gegenüber Personen meist auf Gegenseitigkeit beruht (oder in systemischem Fachjargon: auf Wechselbeziehungen basiert), wird wechselseitig Veränderung erwartet und … das erlebte Problem wird aufrecht erhalten. Berater im psychologischen Bereich können davon ein Liedchen singen.

Egal ob Erfolg oder Problem, Umfeld und Person beeinflussen einander wechselseitig. Die Person setzt sich auf ihre Art und Weise in Beziehung zu ihrer Umwelt. Und genau das bestimmt vorrangig das persönliche Erleben. So werden Probleme aufrecht erhalten und auch gelöst.

If you enjoyed this post, make sure you subscribe to my RSS feed!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

This site uses KeywordLuv. Enter YourName@YourKeywords in the Name field to take advantage.

Harald Dvorak auf Twitter

Archiv