Nun gut, also raus mit der Sprache! Ist Veränderung so einfach wie’s getippt wird, hier im Blog oder wie sich’s liest? Und gibts ein Rezept für Veränderung? Und vor allem: Warum haut’s bei mir nicht so richtig hin? Gute Fragen! Im folgenden Artikel gehe ich auf Faktoren ein, die Veränderung behindern.
Ich sags gleich: “Nicht wollen” gilt nicht. Selbstverständlich gehört ein gewisser Wille zur Veränderung dazu – er reicht jedoch nicht immer aus. Sonst wär das ja ein Kinderspiel mit der Veränderung. Doch eine Unzahl an Menschen, die zu rauchen aufhören wollen, oder die weniger essen wollen, etc. deutet darauf hin, dass das Wollen allein nicht reicht. Was alles machts dem Wollen nun so schwierig, Veränderungen einzuleiten?
Glaubenssätze
Glaubenssätze sind, meist unbewusste Überzeugungen, die einen wesentlichen Einfluss auf unser Verhalten haben. Sie entstehen im Laufe des Lebens, vor allem durch Prägungen in der Kindheit (Erziehung, Meinungen der Eltern, übernommene Schlussfolgerungen, etc.). Ich weiß nicht wie oft ich in meiner Kindheit wohlmeinend. “Bleib so wie Du bist!” gehört hab. Keine Ahnung, wie und wann ich das wieder los geworden bin
Beispiel: Der Glaubenssatz: “Geld macht unglücklich” führt eher dazu, dass persönlicher Wohlstand vermieden wird, da man ja nicht unglücklich sein möchte.
Glaubenssätze sind so individuell wie die Menschen selbst. Sie entbehren jeder Logik (die Glaubenssätze) und stellen Zusammenhänge her, die als solche nicht allgemein gültig sind (z.B. Geld < --> unglücklich sein).
Geringer Veränderungsbedarf
Geringer Veränderungsbedarf oder auch geringer Leidensdruck besteht dann, wenn man zwar etwas unzufrieden ist, aber gut aushalten kann. Also wenns zwickt und für Veränderung (noch) nicht ausreichend weh tut. Meist steht dem Leidensdruck eine genügend große Komfortzone gegenüber.
Beispiel: Jemand kann sich nicht aufraffen eine eigene Wohnung (oder einen Job) zu suchen, weil damit “Hotel Mama” nicht mehr im gleichen Ausmaß verfügbar wäre.
Geringer Vorteil aus der angestrebten Veränderung
In diesem Fall ist das Ziel nicht attraktiv genug, um den entsprechenden Aufwand für die Zielerreichung zu treiben. In so einem Fall erfordert es einen wesentlich höheren Selbstmotivationsaufwand, um die Veränderung an zu gehen.
Beispiel: “Ja, es wäre schon besser, wenns etwas anders wäre – aber wenns dann anders ist, ists auch nicht viel besser…”.
Vorurteile dem Ziel gegenüber
Vorurteile sind im Wesentlichen eine Art Glaubenssätze, wobei diese meist bewusst sind. Oft werden auch sie von Verallgemeinerungen begleitet. Die hinderliche Haltung ist hier deutlich fokussierter auf das Ziel der Veränderung, als es bei Glaubenssätzen der Fall sein kann.
Beispiel: “Wenn ich einmal reich bin (Ziel: reich sein), dann wollen alle nur mehr mein Geld.” oder “Das mit dem Ziele setzten schreibt sich so leicht, aber sie auch zu erreichen….”
Wem die Unterscheidung Vorurteile und Glaubenssätze nicht so recht passt, der darf ruhig alle Vorurteile Glaubenssätze nennen oder umgekehrt.
Fokussierung auf Schwächen
Hierbei wird solange auf z.B. persönliche Schwächen fokussiert, bis ein Aufgeben oder ein anderes Ziel als die einzig sinnvolle Lösung erscheint.
Beispiel:“Ich möchte gerne Seminarleiter werden, aber ich weiß noch viel zu wenig und beim frei reden tu ich mir auch schwer. Dazu kommt noch, dass ich ja kaum weiß, wie ich bekannt werden könnte, und und und…”
Problematisch ist hierbei, dass lediglich darauf geschaut wird, was (noch) nicht möglich ist, anstatt auf das was bereits möglich ist.
Angst vor Veränderung
Angst vor Veränderung kann spezifisch oder unspezifisch sein. Im ersteren Fall hat man vor etwas konkretem Angst (z.B. seinen Job zu verlieren) im zweiteren Fall hat man einfach nur Angst. In diesem Fall stellt sich eine Art Fluchtverhalten ein und an bestehendem wird vehement festgehalten, damit nur ja keine Anzeichen von Veränderungen eintreten. Angst wird oft durch Ohnmacht (Mangel an Selbstbestimmung), Unsicherheit (Mangel an Information) oder Fremdbestimmtheit (mangel an Selbstbestimmung) – oder eine Kombination aus diesen Faktoren, ausgelöst und begünstigt.
Sekundärer “Krankheitsgewinn”
Jemand erfährt durch eine als problematisch beschriebene Situation einen Vorteil, der ihm oft nicht bewusst ist.
Beispiel: Eine Ehefrau leidet an chronischen Kopfschmerzen und erfährt dadurch mehr Zuwendung vom Ehemann. Oder: Ein Mann fällt mehrfach bei einer Qualifizierungsprüfung durch, weil er sonst seinen Kollegenkreis verlieren würde.
In beiden Beispielsfällen wird etwas als problematisch beschrieben (z.B. das dauernde Durchfallen), obwohl es einen persönlichen “Gewinn” bringt.
Falls sich unter der Leserschaft jemand findet, der noch die eine oder andere Ergänzung oder Anmerkung zu den vorgestellten Punkten hat, oder wenns die eine oder andere konkrete Erfahrung zu diesem Thema gibt:
Ich freue mich auf Ergänzungen und Kommentare!

Ich habe festgestellt, dass es wirklich sehr schwer ist, Veränderungen herbeizuführen. Vor allem wird es dann kompliziert, wenn man sich diese Veränderungen bei anderen Menschen wünscht.Das ist ein häufig unerreichbares Ziel, denn seien wir mal ehrlich: Sich selbst zu ändern fällt wirklich schwer, wie können wir dann fordern, dass es bei den anderen ganz leicht geht?
Seitdem ich von niemandem mehr etwas erwarte, werde ich auch nicht mehr (so stark) enttäuscht.
Inhaltlich finde ich den Kommentar sehr gut – vielen Dank dafür! Der Unterschied zwischen “sich selbst verändern” und “andere verändern” ist kurz und bündig auf den Punkt zu bringen: “andere verändern” geht schlichtweg nicht (zumindest nicht gegen ihren Willen). Allein der Versuch erfordert einen sehr hohen Energieaufwand und die Erträge bleiben aus. Und fordern ist schon gar keine probate Strategie – sie führt lediglich zu (berechtigtem) Widerstand.
Zu der Sache mit der Erwartung: Wir erwarten immer, auch wenn wir der Meinung sind, wir erwarten nichts. Das hat mit unseren teils unbewussten Vorerfahrungen zu tun. Genauso bewerten wir Situationen im Vorhinen (Vorurteile) – das läuft in erster Linie unwillkürlich ab. Das Wort Erwartung an sich ist von vorne herein inhaltsleer. Es stellt sich die Frage nach dem Inhalt. Wenn ich er-warte, dass sich jemand anderer so ändert, wie ich es haben will – dann kann ich leicht ent-täuscht sein. Soll bedeuten: So lange warten, bis ich draufkomm, dass ich mich getäuscht habe. Dann bleibt lediglich übrig, mein Bild (so wie der andere sein sollte) zu verändern und weiter an mir selbst zu arbeiten.
Genau das ist der Punkt, den viele nicht einsehen wollen. Den Spruch “Ich erwarte doch gar nichts” kann ich schon lange nicht mehr hören. Denn es gibt, wie du auch sagst, IMMER eine (unbewusste) Erwartungshaltung, sodass es immer die Gefahr gibt, jemand anderen zu enttäuschen, eben den Erwartungen nicht zu entsprechen. Im schlimmsten Fall kann dies sogar pathologisch werden, ich versuche mich zumindest (auch wenn es nicht ganz klappt) weitestgehend davon zu befreien.
Jemand anderen zu enttäuschen aufgrund dessen (deren) Erwartung wäre ja grundsätzlich nicht meine Sache sondern seine (ihre). Meist werden selbst die bewussten Erwartungen vom Gegenüber gar nicht offen gelegt. Und da zu erwarten, dass sich der andere gemäß den (geheimen) Erwartungen verhält (weil ich ja weiß, wie das sein sollte), ist unfair
Das meiner Ansicht nach problematischere ist, dass man sich selbst enttäuscht. Unter “weitestgehend befreien” verstehe ich jetzt gar nicht, “erwartungslos” zu sein. Es ist schon außerordentlich hilfreich, wenn man sich seiner Vorurteile und Erwartungen bewusst ist. Die unbewussten außen vor, denn die sind ja unbewusst
Das machts dann möglich im Nachhinein darüber zu reflektieren und selbige gegebenenfalls anzupassen.
P.s. @Manfred: Deine Mailadresse gibt’s nicht.
Mir ist Dein Link vom ersten Kommentar abhanden gekommen und ich wollte per Mail nachfragen…
Echt sehr interessanter Blog und ein interessantes Thema. Lese sehr gerne hier mit.
Also ich habe festgestellt, dass es immer dann besonders schwer ist, etwas zu ändern, wenn keine direkte Notwendigkeit besteht, so dass man sich immer irgendwie rauslügen kann.
Um trotzdem etwas zu schaffen, muss man sich also schwer zu erreichende Ziele setzen, die für einen selbst wichtig sind. Mit dieser Methode klappt das ganze bei mir Momentan relativ gut.
Veränderungen die von einem selbst also von innen kommen sind übrigens immer wesentlich leichter umzusetzen als Ideen die von außen an einen heran getragen werden. Je größer der Aufwand, desto eher lässt man an dieser Stelle das Ganze wieder schleifen.
Ich hab festgestellt, dass es vorallem schwer ist etwas zu ändern, wenn man der einzige ist, der aktiv sein will. Mein Chef denkt dauernd, dass es nicht rund läuft und will was ändern.. doch Handlungen kommen nicht.
@Alex: Ja, wenn andere ins Spiel kommen, wird’s nur selten einfacher
Aus systemischer Sicht ändert sich bereits was, wenn man bei sich selbst anfängt etwas zu verändern. Der Versuch, andere dazu zu bewegen etwas, oder gar sich selbst zu verändern erzeugt statt Veränderung Widerstand. Möglicherweise ist der Chef ja darin aktiv, den aktuellen Zustand zu erhalten…
Hallo Harald,
gute Beispiele, die du gewählt hast ! Was mir noch einfällt:
“Hindernisse” kommen auch oft aus dem eigenen Bekanntenkreis. Denn wenn jemand wagt, sich zu verändern – trifft das oft auch (unbewußt) die Bequemlichkeit des Umfeldes (das sich vielleicht gar nicht verändern will). Und führt dann auch oft zu negativen Reaktionen der anderen.
Ein netter Spruch von Jim Rohn “Du bist der Durchschnitt der 5 Menschen, mit denen du die meiste Zeit verbringst”. Vielleicht hilft es manchmal auch “neue” Freunde zu finden, die das erfolgreich verändert haben, woran man sich selbst verändern möchte.
Hallo Kai! Ja, das Umfeld hat einen wesentlichen Einfluss. Ob Bekannte oder Verwandte, alle wollen einem ja nur (ihr) bestes
Und da ist gut gemeint das Gegenteil von gut gemacht. Das Umfeld zu ändern kann durchaus hilfreich sein. Warum einen Jim Rohn zum Durchschnitt degradiert, erschließt sich mir nicht ganz – aber der Grundgedanke ist nachvollziehbar. Die Frage ist letztlich: “Kann ich mich trotz (oder gerade wegen) meines Umfeldes so verändern, wie ich es für mich möchte?”
Mir fällt das zum Beispiel auch im Seminarkontext auf. Einerseits sollen Mitarbeiter weiterentwicklungswillig sein. Andererseits lässt das Arbeitsumfeld kaum Freiraum für Weiterentwicklung zu. Wie sich das auf die Mitarbeitermotivation auswirkt, brauche ich wohl nicht zu erwähnen….
Danke für den wertvollen Hinweis auf den Kontext!
Harald
Die Frage ist ja auch, warum man sich verändern will. Will man anderen gefallen oder sucht man die Veränderung, weil man selbst zu dem Schluß gekommen ist, dass es nicht so weiter gehen kann?
Ich würde z. B. gern mit dem Rauchen aufhören, aus eigenem Antrieb, weil mich das rauchen nervt, trotzdem greife ich jeden Tag wieder zur Zigarette…sehr ärgerlich. Üwrde jetzt noch ein Dritter mich dazu drängen, würde ich wohl aus trotz von meinem Wunsch abrücken.
Wir eine Änderugn von Dritten gewünscht, egal ob im privaten Umfeld oder durch Kollegen und Vorgesetzte, erzeugt dies immer einen Druck, der sich negativ auswirken kann. Man muss immer auf die Selbsterkenntnis zielen, nur so kann man meiner Meinung nach Veränderungen durchsetzen.
Hallo Thomas,
ich bin nicht ganz sicher, ob ich verstanden habe, was Du mit der Selbsterkenntnis meinst. Welche Selbsterkenntnis würde Dich dabei unterstützen, zu rauchen aufzuhören?
Die Leute sind einfach nur Faul. Nichts richtig neues
Uwe, das ist einfach unwahr
Ich glaube kaum, dass die Leute einfach zu Faul sind für Veränderungen!
Das ist einfach eine Gewohnheit und wenn man sich an etwas gewöhnt, ist es schwer das wieder zu ändern.
Der Begriff “faul” geht ohnehin zu weit, weil es sich dabei um eine Bewertung handelt. Meist ist damit noch dazu eine negative Bewertung gemeint. Das hilft dann weder den Leuten, die gerne etwas verändern möchten, noch irgendetwas unterstützendes zum Thema zu ergründen. Und Dein Hinweis auf Gewohnheit ist ein guter. So manche Verhaltensweise mag durchaus eingewöhnt sein. Die Frage ist dann, wie man sich umgewöhnen könnte – auf eine erwünschtere Verhaltensweise?
Gewohnheiten sind leider oft nur schwer zu verändern. Mein Rat ist, schlechte gewohnheiten erst gar nicht so weit kommen zu lassen! Faulheit ist oft auch keine Faulheit, sondern eher eine Unsicherheit von Leuten, die sich gar nicht ‘aus ihrer haut’ trauen. Nur Menschen mit grossem Selbstvertrauen gelingt es gut, solche ‘Fallen” im Leben zu vermeiden und Spanität zu geniessen!
Naja, Janina. Das mit dem nicht aufkommen lassen ist so eine Sache. Gewohnheiten entstehen großteils unbewusst. Hast Du konkrete Tipps, wie es Dir gelingt, “schlechte” Gewohnheiten nicht aufkommen zu lassen?
Also mit den schlechten Gewohnheiten ist das so eine Sache. Wenn sie sich einmal in Unterbewusstsein eingeschlichen haben, merkt man sie gar nicht mehr und da wird es schwer sie loszuwerden. Ich habe mal eine Zeit lang immer mit der Schulter gezuckt (Nicht lachen
) und habe das gar nicht mehr merkt. Meine Frau hat mich dann immer wieder darauf hingewiesen und mit der Zeit bin ich das Zucken wieder losgeworden. Das war aber ein echt langer Weg.
Das Rauchen als schlechte Gewohnheit habe ich mir übrigens durch eine fette Erkältung abgewöhnt. Ich lag zwei Wochen im Bett und habe mir dann gedacht, jetzt brauchst du auch nicht wieder anfangen. Also Raucher, erkältet euch mal so richtig, es hilft.
Ich finde es besonders blöd etwas zu verändern, wenn alles schon gut läuft. Never change a running system. Allerdings bedeutet Leben Veränderung. Dafür bin ich auch aber nur wenn die Veränderung Vorteile hat und etwas erleichtert.
Leider bin ich auch ein Raucher. Aber mein fester Vorsatz. Nächstes jahr ist es vorbei. ich werde mich einpacken mit Pflaster etc. dann kann der Nikotin kampf beginnen
Habe gerhört, dass die Nikotinpflaster nichts helfen. Ist eher eine Kopfsache.