Untertags fehlt uns oft Zeit für die unterschiedlichsten Dinge. Wenn die Woche doch mehr Tage oder der Tag mehr Stunden hätte … Nachdem sich an der Stundenanzahl pro Tag nicht drehen lässt, bleibt nur mehr die Art und Weise, wie wir die zur Verfügung stehende Zeit an einem 24-Stunden-Tag nutzen. Und schon wären wir (fast) beim klassischen Zeitmanagement angelangt: Noch mehr in noch kürzerer Zeit. Ein Buch, das ich zu Weihnachten als Geschenk erhalten habe (Timothy Ferris, Der 4-Stunden-Körper), hat meine Aufmerksamkeit auf eine, oft wenig beachteten Tätigkeit an einem 24-Stunden-Tag gelenkt: Den Schlaf. Wir verbringen ungefähr ein Drittel unseres Lebens mit Schlafen.
Für gewöhnlich schlafen wir am Stück um die 8 Stunden pro Nacht und untertags nicht. Das nennt man monopasischen Schlaf. Im Zuge dieser 8-Stunden-Schlafzeit stellen sich etwa 2 Stunden Tiefschlafzeit, die sog. REM-Phasen, ein. Diesen REM-Phasen werden u.a. die Erholung des Nervensystems, Lernprozesse und Verarbeitung von Information zugeschrieben. Beim polyphasischen Schlaf wird die lange Monophase in mehrere kürzere Schlafphasen unterteilt. Die Hardcore-Variante ist der sog. Uberman-Schlaf, wo überhaupt nur mehr alle 4 Stunden für 20 Minuten geschlafen wird. In einer anstrengenden Eingewöhnungsphase von etwa 1-2 Wochen, wird das Gehirn dazu gebracht, dass es bei jeder 20-Minuten-Schlafphase, direkt eine REM-Phase einleitet. Das ermöglicht es grundsätzlich, mit nur 2 Stunden Schlaf auszukommen (angeblich ohne gesundheitliche Einbußen). Allerdings mit einem, meiner Ansicht nach, erheblichen Nachteil: Die Schlafphasen müssen genauestens eingehalten werden. Bereits eine geringe Verschiebung einer Schlafphase bringt das System zum Kippen und man fühlt sich so erschöpft, wie selten zuvor. Abgesehen davon, lassen sich mehrere Schlafphasen untertags nur sehr schwer in den Alltag integrieren.
Zu diesem Uberman-Schlaf, gibt es unterschiedliche Abwandlungen. Ein Beispiel ist der Everyman-Schlaf, bei dem es eine Kernschlafenszeit von ca. 1,5-4,5 Stunden gibt (in der Nacht) und dazu 2-4 Nickerchen zu á 20 Minuten. Die Eingewöhnungsphase soll hier deutlich länger dauern, als beim Uberman-Schlaf, dafür ist man mit den Nickerchen flexibler. Im Internet finden sich mehrere Artikel zum Thema Polyphasischer Schlaf. Der wohl ausführlichste stammt von Steve Pavlina (Englisch), der seine Eingewöhnung auf den Uberman-Schlaf (und auch die Rückkehr zum Monophasischen Schlaf) in seinem Blog dokumentiert hat.
Was ist zu halten, von der Idee, weniger Zeit mit Schlafen zu verbringen? Der Gedanke grundsätzlich ist verlockend. Mit einem moderaten Everyman-Muster lassen sich schon mal 3-4 Stunden Zeit pro Tag gewinnen. Die Frage ist, wie gut sich die notwendigen 20-Minuten-Nickerchen in den Arbeitsalltag integrieren lassen und wie kompatibel die neue Schlafgewohnheit zu den Menschen im eigenen Umfeld ist (Frau, Kinder, Freunde). Wer so etwas ausprobieren möchte, sollte sich auf eine durchaus fordernde Eingewöhnungsphase einstellen.
Falls jemand Erfahrungen mit dem Polypasischen Schlaf hat, freue ich mich über Kommentare. Ich habe zum Jahreswechsel einen Everyman-Selbstversuch, mit 4,5 Stunden Kernschlafzeit, gestartet. So bald ich diesbezüglich erste Erkenntnisse habe, findet ihr diese hier im Blog.
Edit 02.01.2012: Ein sehr lesenswerter, fundierter und kritischer Artikel (englisch) zum Thema Polyphasischer Schlaf von einem Dr. Piotr Wozniak aus 2005 und einem Follow Up zu diesem im Jahr 2010. Der Artikel gibt einen guten Einblick in den Status der Wissenschaft rund um den Polyphasischen Schlaf.
Edit 03.09.2012: Hier geht’s zum persönlichen Fazit.

Uhh, das klingt etwas grausam. Wie waren die ersten Tage? 4 Hour Work Week hab ich auch schon länger zu Hause, werde das mal wieder lesen. Danke für den Hinweis!
Habe nichts Gutes dazu gelesen, so etwas sollte man nur für kurze Zeit machen…
siehe dazu http://lifehacker.com/5866905
@Cornelia: Durchaus interessant
Ich werd am Ende dieser Woche ein Follow Up dazu posten und noch ein bißchen detaillierter auf die Hintergründe eingehen. 4 Hour Work Week habe ich als Hörbuch. Das reißt mich jetzt nicht so vom Hocker, weil’s eine sehr aufgewärmte Geschichte ist… Aber danke für den Hinweis darauf! Vielleicht schreib ich hier eine Rezension/Diskussion dazu!
@pocketAustria: Danke für den Link zu Lifehacker. Das Internet ist dazu leider (wo denn eigentlich nicht?) eine Quelle, bei der man sich auf dünnem Eis befindet. Da gibts himmelhochjauchzende Erfolgsmeldungen und fadenscheinig anmutende Beendigungsstatements: War ein Erfolg, aber ich hör’ doch auf … Und nur wenig wissenschaftliches Material. Wichtig ist: Am meisten (sowohl Positives, als auch Kritik) gibt’s zum Uberman-Schlaf. Ein persönliches erstes Fazit zum Thema Zeit und Schlaf gibts von mir dann im Follow Up.
Ja stimmt – für alles gibt es alle Meinungen… Hauptkritik an der Schlaf-Neugestaltung ist für mich
1) Warum will jemand Schlaf kürzen? Ist das nicht ein Zeichen, dass das normale Leben zuviel beinhaltet (Stress, Überarbeiten – sowohl im positiven als auch negativen Sinn)?
2) Praxis/Alltagstauglichkeit? Ein Nickerchen beim Kunden? Im Meeting?
3) Meist führen einmalige Unterbrechungen dieser Rhythmen zu stärkeren Folgen…
Insgesamt ist das Thema “Schlafzeit einsparen” hoch interessant und hat mich schon in ganz jungen Jahren fasziniert. Nun gut, mit 17/18 Jahren braucht man sowieso weniger Schlaf, was soll’s.
Heute denke ich etwas differenzierte über das Thema. Was bedeutet z.B. “ohne gesundheitliche Einbußen”?
Ist es nicht immer so gewesen, dass sich der Körper holt, was er braucht – und auch auf alle Dinge, die wir tun, ganz konkret reagiert?
Fastfood, Rauchen, Alkohol, exzessives Leben und auch fehlender Schlaf drücken dem Körper einen Stempel auf, egal ob wir das am Zustand der Organe merken oder an der Oberfläche, der Haut. Dann sieht man eben 10 bis 15 Jahre älter aus.
Ich bin keine Wissenschaftlerin, doch gibt es eine sehr umfangreiche Langzeitstudie mit mehreren Milliarden Menschen, aller Rassen, auf allen Kontinenten seit mehreren Millionen Jahren, die gezeigt hat, dass der Mensch trotzdem “seinen” Schlaf braucht.
Vielleicht läßt sich das Schlafbedürfnis über einen kurzen Zeitraum trainieren, doch höre bitte genau auf Deine Körpersignale. Ich bin echt gespannt auf Deine weiteren Erfahrungen!
Schöne Grüße
Kathleen
Hallo Kathleen,
vielen Dank für Deinen ausführlichen Kommentar! Dein Hinweis auf die Langzeitstudien interessiert mich sehr! Hast Du da Quellen dazu?
Ich habe diesbezüglich auch schon recherchiert und ein sehr fundiertes “Paper” gefunden. Werde demnächst von meinen Erfahrungen berichten und meine Recherchen einfließen lassen.
Liebe Grüße!
Harald
Also der Polyphasischer Schlaf würde für mich nicht in Frage kommen. Ich brauche meine geregelten 8 Stunden Schlaf und dann bin ich glücklich
Mein soziales Umfeld würde darunter nur leiden und es wäre schwer es mit dem Schlaf zu kombinieren.
das klingt nach einem ganz strengen ablauf, den man ja gar nicht einhalten kann, es sei denn, man arbeitet von zu Hause aus, oder ist arbeitslos. Ich komme mit den 8 studen gut aus, habe aber festgestellt, dass ich vor 23:30 schon im bett sein muss, sonst wird es zu spät. Auch wenn ich erst lange danach, gegen 1:00 uhr ins bett gehe, dann aber bis um 11:00 schlafe, bekommt es mir nicht gut. hab also festgestellt, dass auch die Uhrzeit, wann man schlafen geht eine grosse rolle spielt!
Jetzt mal ganz ehrlich, gibt es wirklich Leute die so etwas durchhalten?
Das es Leute probiert haben, aber wirklich durchhalten?
Ich kann mir das irgendwie nicht vorstellen.
Desweiteren habe ich genau das gleiche beobachtet, wie Janina. Wenn ich zu lange auf bleibe, tue ich mir am nächsten Tag unheimlich schwer. Vor 23 Uhr möchte ich, zumindestens unter der Woche, im Bett liegen.
Jetzt muss ich aber dochmal nachhaken:
Wo bleibt denn das FollowUp mit dem Erfahrungsbericht? Ich will den polyphasischen Schlaf nicht unbedingt selbst ausprobieren (mir genügt die Zeit, die ich wach bin, um alle Dinge zu erledigen, die ich in einem Tag unterbringen möchte), aber es interessiert mich sehr!
Richard
Danke Richard, für den Hinweis! Hier ist mein persönliches Fazit zu finden.
Ich freue mich auf Kommentare und Ergänzungen jeglicher Art!
Peter, Deine Frage ist schwierig zu beantworten. Selbst von all jenen, die sich rühmen, so etwas wie den Uberman-Schlafrhtyhmus durchzuhalten, ist fraglich, ob das wirklich so ist oder ob hier die Selbstdarstellung und der Geltungsdrang der jeweiligen Autoren überhand nimmt. Einige Autoren beschreiben erste Erfolge und schreiben dann zu dem Thema gar nichts mehr. Auch nicht, ob sie sich überhaupt noch an den veränderten Schlafrhythmus halten. Auf youtube gibts zum Thema interessante Videobeiträge. Da kann man sehen, welchen Preis man zahlt, wenn man den Körper tatsächlich über einen längeren Zeitraum einem massiven Schlafentzug aussetzt.
Janina, 7-8 Stunden Schlaf sind die Norm. Und ja, es gibt Menschen die mit etwas weniger auskommen, oder etwas mehr Schlaf brauchen. Das hängt abgesehen von genetischen Voraussetzungen ja auch vom Lebenswandel ab. Schlafentzug zieht längere Schlafphasen nach sich. Bei mir ist es so, dass ich zwar tagelang mit weniger Schlaf auskomme, mich aber dann auf ein Wochenende freue, wo ich all das Schlafdefizit wieder aufholen kann (ohne Wecker).
Ja, Kevin, wie man andere Schlafmuster als das monophasische im (Durschnitts-)Alltag unterbringen soll, ist mir auch ein Rätsel.
Dann sag ich erstmal danke – und bin schon am lesen
Ich kenn auch wer das gemacht hat. Am Anfang ging alles glatt doch später hatte er extreme Probleme und ist fast wahnsinnig geworden. Das ist echt gefährlich wenn man keine professionelle Unterstützung hat. Da würde ich echt aufpassen. Aber danke für den schönen Text.